Geschichte

Reigen und Korbball standen bei der Oltinger Damenriege früher auf dem Programm. Heute wird Barren geturnt, werden Fachtests absolviert und werden Steine gestossen – erfolgreich.

Gegründet wurde die Oltinger Damenriege im Jahr 1943. 17 Aktive und drei Turner waren laut dem ersten Protokoll an der Gründungsversammlung vom 3. März 1943 anwesend. Hans Gloor wurde zum ersten Oberturner gewählt. Ebenso war er erster Präsident der Oltinger Damenriege. Im selben Jahr fand auch die Fahnenweihe – gemeinsam mit dem Turnverein – statt.

Im ersten Jahr starteten die jungen Frauen bereits zur ersten Turnfahrt. Allerdings war das Reiseziel damals noch nicht ganz so weit entfernt, wie es die heutigen Ziele jeweils sind.  Am 30. Mai 1943 um 6.30 Uhr ging es los, wie im Bericht im ersten Protokollbuch steht. Die Wanderung führte die Frauen bei „schönstem Wetter“ auf die Bölchenfluh, die sie nach vier Stunden erreichten. Danach ging es hinunter nach Langenbruck. Zum einkehren reichte es dort allerdings nicht mehr, zu lange hatten sich die Damen mit einem Fussbad im Bach vergnügt. Danach ging es mit Waldenburgerli nach Liestal, mit dem Zug nach Tecknau und von dort aus mit dem „Milcherauto“ zurück nach Oltingen.

Solche Turnfahrten waren aber damals eher Ausnahme denn Regel. „Uns reichte es schon, dass wir einmal in der Woche turnen gehen konnten“, sagt Ruth Lüthy, die von 1951 bis 1961 Präsidentin der Oltinger Damenriege war. Sie hätten damals gar nicht mehr gewollt. Das bestätigt auch Sophie Gysin, Gründungsmitglied und langjährige Leiterin der Damenriege. Auch die Männer hätten nichts dagegen gehabt, dass die Frauen einmal pro Woche ein paar Stunden für sich haben. „Die gleichaltrigen sowieso nicht“, sagt Gysin und lächelt.

Die ersten Jahre der Damenriege waren laut den Protokollen der Generalversammlungen geprägt von vielen Wechseln im Vorstand und in der Turnleitung. So fand fast an jeder Generalversammlung eine Neuwahl statt. Der Höhepunkt der Generalversammlungen war aber ein anderer: „Wir freuten uns immer wie kleine Kinder auf Brötli und Schüblig an der Jahresrechnung“, sagt Ruth Lüthy.

Die Infrastruktur, welche die Damenriege früher zur Verfügung hatte, ist mit der heutigen nicht zu vergleichen. Geturnt wurde in der alten Gemeindescheune im Anger. „Es war ein staubiges Lokal“, erinnert sich Lüthy. Die Turnstunden hätten sie vor allem mit Übungen wie Kniebeugen oder mit dem Einüben von Reigen verbracht. Die Turnkleider nähten die Turnerinnen selbst. „Wir turnten in kurzen Röcken oder kurzen Hosen und weissen Blusen“, sagt Elsy Gysin, ehemalige Kassierin des Vereins. Und auch die Röcke für die Reigen hätten sie jeweils selbst genäht. „Überhaupt hatten wir viel Freude an den Reigen“, sagt Ruth Lüthy. Vom Walzer- über den volkstümlichen bis hin zum Rössli-Reigen. Diese hat die Damenriege jeweils an Turnfesten, 1. –August-Feiern oder sonstigen Feiern im Dorf wie dem Mattenfest aufgeführt. Ballspiele hätten sie während den Turnstunden auch ab und zu gerne gemacht. Korbball sei die beliebteste Sportart gewesen.

Heute ist das anders. Die Oltinger Damen spielen nicht mehr Korbball, sie sind eher Volleyball-begeistert. Zudem ist die Oltinger Damenriege mehrfacher kantonaler Meister im Seilziehen sowie im Stein- und Kugelstossen. Auch im Barrenturnen haben die Oltingerinnen unter der Leitung von Andrea Brenna gute Noten erzielt. Einen wichtigen Teil des Turnjahres macht auch das Vorbereiten auf die jeweiligen Fachtests an den Turnfesten aus. Hier ist vor allem Geschicklichkeit, Schnelligkeit und Kondition gefordert. Das Jahresprogramm der Damenriege ist heute umfangreicher als früher. Mehrere Wettkämpfe stehen an, dazu kommen Damenriege-Reise, Skiweekend und Anlässe wie zum Beispiel der Raclette-Plausch, den die Damenriege durchführt.

Ein Unterschied zur Vergangenheit ist auch beim Preis für die Mitgliedschaft auszumachen. Dieser ist im Laufe der Jahre gestiegen – auch wegen der Teuerung, versteht sich. Kostete es im Jahr 1947 50 Rappen pro Monat, dabei zu sein, ist eine Aktivmitgliedschaft heute mit einem Jahresbeitrag von 100 Franken verbunden. Dieses Geld bezahlen die Damen allerdings gerne, gibt der Verein ihnen doch in Form von abwechslungsreichen Turnstunden und viel Geselligkeit einiges zurück.

Für die Zukunft des Vereins wünscht sich die heutige Präsidentin Sarah Lüthy vor allem etwas: "Wir wollen weiterhin die Kameradschaft gut pflegen und tolle Turnstunden halten". Und mit einem Lächeln ergänzt sie: "Weiterhin Erfolg zu haben, wären das Tüpfchen auf dem i."

Aktualisiert am: 22.09.2015 10:14:49
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